"Gedankenanstupser" und geplaudert aus dem Nähkästchen...

 

"Vreiwilig les ich garnichs"                                                          05.10.2021

Kai West Schlosser wird gebeten, einen Text von mindestens 3000 Zeichen für den Stern zu verfassen - ein Unding, normalerweise würde er einen solchen noch nicht einmal lesen wollen. "Schule - ein haufen unausgebileter Ausbilder:innen", sagt der 22-jährige Art-Director. Ebenso kreativ wie seine Rechtschreibung scheint sein Geist zu sein. Schmerzhaft berührt kann auch die Leserin, der Leser erfahren, welche Stolpersteine jungen Menschen in den Weg gelegt werden, denen mit etwas Entgegenkommen und Expertise im Schul- und Bildungssystem sowie in unserer Gesellschaft die Entfaltung des eigenen Potentials ermöglicht werden könnte. Auch hier wieder: Ein Plädoyer dafür, umzudenken und alte Grenzen zu erweitern.

 

 

Between the Lines                                                                          01.10.2021

Ein niedrigschwelliges Angebot für Jugendliche, die in ihren unterschiedlichen Lebensbereichen Hilfe benötigen, ist per App oder Website kostenlos und unkompliziert zu erreichen. Da viele Therapeutinnen und Therapeuten gerade mit langen Wartelisten arbeiten, finde ich dieses Angebot sehr hilfreich. 

 

 

Wärmt das Herz                                                                             10.09.2021

"Herr Bachmann und seine Klasse", immerhin schon einmal als Trailer, scheint mir eine Dokumentation zu sein, um die wir nicht drumherum kommen, wenn wir uns ernsthaft mit jungen Menschen, Schule und unserer Haltung zu Wissen und Weisheit auseinandersetzen wollen.

"Es gibt gerade auch keinen schöneren, klügeren Film über Deutschland." (Der Tagesspiegel)

 

 

Der Druck (auf Mitschüler) muss steigen                                      16.08.2021

Am 10.08.2021 veröffentlicht das Solinger Tageblatt unter der Rubrik Standpunkt eine kurze Stellungnahme. Frau Simone Theyßen-Speich, Journalistin, ermutigt Kinder und Jugendliche dazu, ihre Mitschüler*innen unter Druck zu setzen, um sie "zu der Erkenntnis zu bringen, dass die Impfung absolut notwendig ist".

 

Für mich stellt dies einen Aufruf zur Gewalt dar.

 

(Und selbst ich als Lerntherapeutin würde nicht einmal den Versuch wagen wollen, einen Menschen "zu einer Erkenntnis zu bringen". Vielmehr ist Erkenntnis etwas, was eigenaktiv, selbsttätig durch das Verarbeiten von Erfahrungen und Eindrücken gewonnen werden will. Dies jedoch nur am Rande. Weiter unten mehr für diejenigen, welche sich für das Thema Wortschatz interessieren.)   

 

"So furchtbar viel hat sich im Vergleich zum Vorjahr in den Schulen nicht getan. Lüften, Masken, Händewaschen und Abstand halten hatten wir auch schon zum Schulstart im Sommer 2020.", beginnen ihre Ausführungen. Maßnahmen, die vor 2020 Befremden bei uns ausgelöst hätten, werden nun lapidar und recht gleichmütig als "normal" definiert, ohne Rücksicht auf die Ängste und Sorgen der meisten davon Betroffenen. Vermutlich blieb der Verfasserin ein Einblick in den belasteten Alltag von Familien und die teils sehr schwierigen Umstände in Bezug auf den Alltag und die Vermittlung von Lernstoff in ungewissen Zeiten von Corona verwehrt. Auch scheint sie nicht zu ahnen, wie beeinträchtigend es von vielen jungen Menschen erlebt wird, stundenlang Masken zu tragen, auf natürliche Bedürfnisse zu verzichten, wie Freund:innen zu treffen, sich körperlich nahe zu kommen, sich zu berühren. (Allerdings sehe ich es als Aufgabe einer Journalistin an, über ihren Tellerrand zu schauen, um sich umfänglich zu informieren.)

 

Den "Vorstoß der Stadt, ab nächste Woche in den weiterführenden Schulen "Impfaktionen durchzuführen" (auch hier würde es sich lohnen, die Wortwahl näher zu untersuchen!), bezeichnet sie als "absolut richtig und lobenswert". 

 

Ich jedoch möchte Eltern ermutigen, sich gründlich zu informieren, Fragen, auch kritische, zur Notwendigkeit und zu den Vor- und Nachteilen der Corona-Impfungen bei Jugendlichen zu stellen. Noch gibt es keine Langzeitstudien zu den Wirkungen und auch Nebenwirkungen von Impfungen. Impfungen werden auch von Mediziner*innen (oder anderen Fachkundigen) teils nicht oder nicht unumstritten bejaht. Die öffentliche Meinung dazu ist naturgemäß nicht eindeutig, auch muss jeder einzelne Mensch in seiner speziellen Lebenssituation betrachtet werden. ("One-fits-all" gibt es wirklich schon lange nicht mehr.)

Dass Impfmobile Schulen anfahren dürfen, finde ich mehr als fragwürdig. Unter anderem ist es für mich unvorstellbar, wie eine gründliche Aufklärung durch Mediziner:innen stattfinden soll, wenn sie mit den jungen Menschen vor Ort überhaupt nicht vertraut sind. 

  

Wenn allerdings auf einmal im Umfeld von Schule davon ausgegangen wird, dass eine Schülerin oder ein Schüler die Impfentscheidung (notfalls auch ohne Eltern vor der Volljährigkeit) selbstständig treffen kann, ließen sich sicher weitere Lebensbereiche überprüfen und verändern. Politisches Wahlrecht für junge Menschen ab 16 wäre etwa eine logische Konsequenz - und aus meiner Sicht begrüßenswert! Schließlich müssen diese Jugendlichen mit dem leben, was wir Erwachsenen ihnen hinterlassen, also unsere Suppe auslöffeln.

Auch mehr Mitbestimmung für Schülerinnen und Schülern im Kontext von Schule und Bildung wäre ein begrüßenswertes Anfang. Partizipation will geübt werden, und Motivation entsteht dort, wo Menschen gehört und ernst genommen werden in ihren Anliegen. Dann braucht es auch keinen "Druck", s. o., mehr, sondern es entsteht eine Sogwirkung. Doch ich schweife vom Thema ab ...

 

Die Wortwahl in dem kurzen Artikel finde ich bemerkens-wert (!): "furchtbar viel", "Druck", "Vorstoß" deuten eine Haltung an, welche mir großes Unbehagen bereitet. Um dies zu überprüfen und um konstruktiv mit meinen Fragezeichen umzugehen, schrieb ich die Verfasserin über die Webseite des Verlags an. Ich lud sie ein zu einem Dialog mit engagierten Eltern, welche sich in den letzten Wochen und Monaten viele, auch kritische Gedanken rund um Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona und Schule machten und machen.  

 

Offenbar bin ich nicht die einzige Person, welche sich von dem Artikel stark irritiert und zum Handeln motiviert fühlte. Und anscheinend hatte Frau Theyßen-Speich einiges wieder zurechtzurücken. Denn bis heute fand sie keine Zeit für eine Antwort an mich. Allerdings weiß ich von einer Mutter, welche Frau Theyssen-Speich telefonisch erreichen wollte - erstere hatte nämlich ihr Abonnement des Tageblatts wegen und unmittelbar nach Veröffentlichung von "Der Druck muss steigen" gekündigt. 

 

Mit Hinweis auf meine obigen Zeilen werde ich erneut ein Angebot zum Dialog aussprechen. Schließlich wäre es doch schön, sich näher zu kommen, damit ein umfängliches Engagement für die Belange von Kindern und Jugendlichen wirklich gelingen kann.  

 

P.S.: Was mich auch noch wirklich umtreibt ist die Frage, wie sinnvoll und gesundheitlich unbedenklich allein schon das Tragen von Masken für Kinder ist, welches in Schulen über Stunden gefordert wird, und ob es dazu Untersuchungen und unterschiedliche Stellungnahmen gibt? Die Frage wird naiv sein. Zu fast allen möglichen und unmöglichen Themen gibt es Evaluationen, selbst dann, wenn der gesunde Menschenverstand es verzichtbar macht, dass in eine Fragestellung Zeit und Geld investiert wird. Sicher lohnt es sich auch hier, in andere Länder zu blicken und abzuwägen. 

 

 

"Wer glaubt, dass Wirtschaft wichtiger ist als Gesundheit, kann ja mal versuchen, sein Geld zu zählen, während er die Luft anhält"      19.07.2021

 

Eckart von Hirschhausen verschaffte sich deutlich Gehör - mit klaren, eindeutigen Worten bei Maybrit Illner am 15.07.2021, nachdem die Flutkatstrophe dringende und drängende Fragen aufgeworfen hatte. Es geht um den Schutz vor den Folgen des Klimawandels, um Prioritäten, die von Seiten der Politik gesetzt werden (und deren Sinnhaftigkeit), und auch darum, endlich zu verstehen, dass jede und jeder von uns Verantwortung übernehmen muss - für unser Tun und auch für unser Unterlassen. Es ist schon längst nicht mehr 5 vor 12. 

 

 

Must-see                                                                                         03.04.2021

David Attenborough dokumentiert in seinem wunderbaren Dokumentarfilm "Mein Leben auf unserem Planeten" die Evolution und die Einmischung von uns Menschen in die Natur sowie seine Visionen für unsere Zukunft. 

 

 

Brief einer Schülerin an eine Lehrkraft                                        22.02.2021

Hallo XX, wie geht es Ihnen ? Ich wollte was kurzes sagen und zwar , wir haben respekt vor Ihnen wen sie mal irgendwie zu spät sind das macht uns nicht aus aber wen wir was zu spät abgeben dan kriegen wir eine schlechte note aber Sie müssen uns auch respektieren wir sind kinder und sitzen 6 Stunden an dem Computer,Handy.......das kriegen Eltern noch nicht mal hin und ich meine wir sind kinder .Keiner nimmt rücksicht auf uns und alle tuhen so als wären wir 38 Jahre alt .Wir respektiern Sie dan können das auch die Lehrer machen wir haben das mit homescholing noch nicht mal geübt oder so dann werden wir vor die Geräte gesetzt und es wird gesagt das wir ab heute homescholing machen müssen versetzen Sie sich mal in die lage für uns wie das ist . Es geht nicht nur an Sie aber ich habe eine schlechte note bekommen nur weil ich vergessen habe eine aufgabe abzuschicken . Man sollte einbischen rücksicht nehmen .Danke für Ihre aufmerksamkeit einen schönen Sonnigen tag noch LG Ihre YY

 

 

Veränderungen brauchen Wiederholung - und Mut ...                  21.01.2021

Gerade in dieser herausfordernden Zeit kann ich mich selbst gut beobachten, wie ich beim Erwerb neuer Kompetenzen flexibel vorgehe - oder zugegebenermaßen auch zunächst einmal sehr unflexibel!

 

Kann ich etwas noch nicht und weiß auch nichts davon, so bin ich zunächst unbewusst inkompetent. So wusste ich bis vor einem Jahr kaum etwas über die diversen Möglichkeiten, über Skype, Zoom, Teams, Big Blue Button usw. zu kommunizieren. (Na ja, ich wusste schon etwas davon, war jedoch froh, davon verschont zu sein.) Da ich es nicht wusste, konnte ich mit diesem Thema tiefenentspannt sein.

Durch Corona durfte ich meinen Horizont erweitern: So gelangte ich zur Stufe der bewussten Inkompetenz. Kein schönes Gefühl! Oft bekam ich Schweißausbrüche vor einem Meeting, wechselweise klappte es mit Kamera oder Ton nicht, die Umstellung von Headset zu anderen Modi forderte meine gesamte Aufmerksamkeit. 

Bald schon erreichte ich die Stufe bewusster Kompetenz. Nun benötigte ich immer weniger Konzentration für die Handhabung der Geräte und konnte mich wieder mehr auf den Inhalt der Sitzungen einlassen. Denn nun hatte ich einen Wissenszuwachs zu verzeichnen. Von Mal zu Mal fühlte ich mich sicherer. 

Mit der unbewussten Kompetenz, der selbstverständlichen alltäglichen Anwendung mehrerer "Tools", auch in schneller Folge wechselnd, hatte ich einen Zustand der Automatisierung erreicht. Mehr noch, meine neuen Fähigkeiten kann ich nun auch in andere Bereiche einbringen. 

 

Und damit bin ich nicht etwa am Ende angekommen - denn neue Aufgaben stehen vor der Tür und klopfen an. 

Immer wieder werde ich mich als inkompetent erleben, wenn ich etwas Neues lernen will oder vielleicht auch muss, weil die äußeren Umstände eben so sind, wie sie sind (das Leben ist das, was passiert, während wir andere Pläne machen). 

 

Bewusst geworden ist mir, dass es sich hierbei um einen ganz natürlichen Kreislauf, besser noch: eine Spirale, handelt. Jedes Kleinkind durchläuft sie mit großer Selbstverständlichkeit. Stets können wir auf schon durchlaufene Stufen zurückgreifen und Transferleistungen erbringen. Erforderlich hierfür sind immer wieder ein sicheres Plateau, von dem aus ich mich bewege, Stabilität also, und gleichzeitig das Interesse an sowie der Mut für Veränderung. Das also, was in der Schule von Schülerinnen und Schülern täglich erwartet wird.

 

Entmutigten Kindern und Jugendlichen begegne ich täglich. Sie können durch individuelle Hilfen in den Schulen, Nachhilfe und Lerntherapie gefördert und ermutigt werden. 

 

Was ist mit Erwachsenen, die entmutigt sind? Eltern, denen die Sicherheit fehlt, aus der der nächste Schritt erwachsen darf? Lehrkräfte, deren "Kopfschubladen" so feststehend einsortiert sind, dass Impulse zum Umdenken blockiert werden? Was ist, wenn ich selbst mich durch alte Glaubenssätze dadurch abhalten lasse, etwas Neues zu wagen?

 

Immer klarer wird mir, dass kein Mensch eine Insel ist. Wir brauchen einander, um uns anzustupsen, aufzuwecken, zum Überprüfen unserer alten Geschichten einzuladen. 

 

Dafür benötigen wir Dialoge. Wie können diese aussehen? Wo kann der Raum für Dialoge entstehen?

 

 

 

Digitalisierung in Schulen                                                            08.01.2021

Zum Thema Digitalisierung in Grundschulen hat Frau Wrana, Schulleitung der Grundschule Bogenstraße in Ohligs, einiges Interessantes in einem Podcast für Solingens Wirtschaft zu sagen. Auch Herr Nachtkamp, Schulleitung des Gymnasiums Schwertstraße, wird von Herrn Balkenhol, Wirtschaftsförderung Solingen, interviewt

 

                                                                                                

Selbstbestimmung                                                                        04.12.2020

Momo fragt Meister Hora, ob er es nicht einrichten könne, dass die Zeit-Diebe den Menschen keine Zeit mehr stehlen können.

Meister Hora antwortet: "Nein, das kann ich nicht, ... , denn was die Menschen mit ihrer Zeit machen, darüber müssen sie selbst bestimmen. Sie müssen sie auch selbst verteidigen. Ich kann sie ihnen nur zuteilen...

So, wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen, und Ohren, um die Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben eines Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen."  

Aus Momo, Michael Ende, Thienemann Verlag

 

  

Free Training!                                                                               23.11.2020

Auf der Seite von "Made by dyslexia" findet sich ein kostenfreies Training, damit wir uns mit dem Thema Dyslexie einmal anders nähern können: weg vom defizitären Blickwinkel, hin zu den damit verbundenen Stärken.

 

Bitte lassen Sie sich weder davon abschrecken, dass die Beiträge in der englischen Sprache verfasst sind, noch von der angegebenen Dauer von 2 Stunden (die benötigen höchstens absolute Neulinge in diesem Terrain). 

 

Und wenn es uns gelingen würde, alle Lehrkräfte einer Schule in unserem Umfeld zu diesem Training einzuladen, dann ...

"the power of change is in our hands. As passionate parents, dedicated teachers and forward-thinking education leaders, we can start the conversation in each of our schools that will transform educational outcomes!" 

 

 

 Alternativen?                                                                              16.11.2020

"Die Kultusministerkonferenz betont hingegen immer wieder die Bedeutung des Präsenzunterrichts. Beim Lockdown im Frühjahr sei deutlich geworden, welche Nachteile fehlender Präsenzunterricht habe ... "Viele Schülerinnen und Schüler haben tatsächlich Schwierigkeiten, zu folgen."" (Zitat aus einem Artikel von Tagesschau.de zu "Wie kommen Schulen durch den Corona-Winter?", Stand 15.11.2020, 17:40 h)."

Ein unkritisches Überfliegen des Artikels erweckt den Eindruck, im Präsenzunter-richt könnten alle Schülerinnen und Schüler dem Unterricht ohne Schwierigkeiten (oder überhaupt) folgen. 

 

Diese Illusion möchte ich Ihnen rauben.

 

Zahlreiche Kinder und Jugendliche "kündigen innerlich" nicht nur in einzelnen Fächern oder bei einzelnen Lehrkräften. Und auch nicht bloß, weil diese jungen Menschen "Schwierigkeiten haben, zu folgen" - sondern weil es im schulischen Präsenzunterricht (in der Form, die wir heute weitestgehend erleben) unmöglich ist, er auch nicht darauf ausgerichtet ist, dass "jedes Kind mitgenommen wird". 

 

Das war schon "vor Corona" so. Das wird auch "nach Corona" so sein. 

 

Natürlich erlebe ich extrem engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich ungemein für ihre "Schützlinge" einsetzen (gleichermaßen Lehrkräfte, die menschlich kaum erreichbar sind und nicht Pädagog*innen genannt werden dürften). Doch auch diese arbeiten in einem System, welches wenig differenziert bzw. wenig (Spiel-) Raum lässt für kindgerechtes Lernen. 

 

"Die Nachteile fehlenden Präsenzunterrichts"(s. Artikel) sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass Präsenzunterricht in seiner jetzigen Form und in der westlichen Welt zwar etabliert ist, doch durchaus auch kritisch hinterfragt wird und werden darf. Kluge Köpfe haben dies getan. Schon Mitte des letzten Jahrhunderts wurde er als antiquiert bezeichnet und hat sich seitdem nicht unbedingt rapide verändert.

 

Insbesondere die jungen Menschen, mit denen ich arbeiten darf, benötigen dringend alternative Angebote. 

 

Ein Anfang wäre es, wenn wir miteinander (und vor allem im Dialog mit den  "Betroffenen") auf die Themen Lese-Rechtschreib- und Matheschwäche blickten - und eben nicht bloß auf die damit verbundenen Defizite. So könnten wir auch die damit verbundenen Stärken erkennen und Potentiale befreien. Und davon wird mir eine Menge präsentiert. 

 

 

Basic!                                                                                              07.10.2020

Anne, mein "bestes Pferd im Stall" (Mit-Gestalterin in der Praxis), leitete mir den Link zu einem Film weiter. Dafür bin ich dir sehr dankbar, liebe Anne! Zwar konnte ich gerade erst die ersten 20 Minuten anschauen, doch eines ist schon einmal klar: Dieser Beitrag dürfte viele Menschen berühren und Antworten geben, bestätigt alles, was wir im Rahmen unserer lerntherapeutischen Arbeit mit viel Blut, Schweiß, Tränen und vor allem auch Freude im letzten Jahrzehnt herausfinden konnten. 

Wir laden hiermit Menschen, die mit uns zusammenarbeiten (wollen), einl, sich selbst die Zeit und Muße für diesen Film zu gönnen....

 

 

 

Hinweis auf ein neues Buch!                                                       02.08.2020 

Schon der Titel spricht mich sehr an: "Wege aus der Angst. Über die Kunst, die Unvorhersehbarkeit des Lebens anzunehmen" - so heißt das neue Buchmanuskript von Gerald Hüther. Auf dessen Erscheinung freue ich mich schon. Denn in den letzten Monaten haben wir wohl alle auf die ein oder andere Weise Ängste erlebt, bei uns selbst oder auch bei anderen Menschen. Und ich wünsche mir, dass wir alle sehr genau hinschauen, welche Ängste Kinder uns in den kommenden Monaten rückmelden. Vor allem hoffe ich, dass wir mit offenen Ohren hinhören sowie unsere Herzen öffnen, statt einfach beschwichtigen, glattbügeln zu wollen. 

 

 

Meine Komfortzone und der berühmte Tellerrand                       04.07.2020

Mehrere "Challenges" habe ich mir selbst gestellt in den letzten Wochen. Vermutlich wollte ich mich selbst in Bezug auf meine Flexibilität und meine Offenheit für Neues "kitzeln". Viele davon habe ich erfolgreich durchgeführt (mir die Haare selbst schneiden - kurze Haare in Coronazeiten brauchen etwas Wagemut), eine nach zwei Tagen schon wieder abgebrochen (frisch gepresster Selleriesaft pur zum Frühstück, no go!).

Erstaunt bin ich darüber, wie mich auch schon die Veränderung kleiner Angewohnheiten aus dem Rhythmus werfen kann.

Und demütig bin ich, weil ich sehe, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die unfreiwillig und gezwungenermaßen ihre Komfortzone, ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen - wie dankbar bin ich für meine Stabilität und dennoch die vielen Freiheiten, um immer wieder Neues ausprobieren zu dürfen!

Auch merke ich, wie eine Entscheidung auf der einen Seite Wachstumsprozesse auf einer anderen anregt. Tatsächlich ist alles mit allem verbunden. 

 

Begriffen habe ich auch: "Was wir wissen, ist ein Tropfen - was wir nicht wissen ein Ozean." Es gibt so vieles zu entdecken in so vielen Kontexten, von denen ich dachte, ich hätte sie schon erschlossen, dass ich nun vieles viel bewusster anschaue - und hinterfrage. Was darf sich ändern?  

 

                                                                                                     17.06.2020

"Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung." (Wikipedia)

 

Diese Tage fordern doch geradezu heraus, zu experimentieren und neu zu interpretieren! Was gibt es schöneres, als den Kleiderschrank nach stiefkindlich behandelten Kleidungsstücken zu durchforsten und ihnen neues Leben einzuhauchen, mit ein wenig Garn und Nadel eine eigene kleine Welt zu erschaffen.... Letztendlich gibt es viele Möglichkeiten, kreativ zu werden und ganz ins Hier und Jetzt einzuhauchen. 

 

Doch wie oft höre ich: "Dafür habe ich keine Zeit!" Ganz ehrlich: Zeit ist das einzige Gut, das absolut gerecht verteilt ist, jede und jeder von uns hat 24 Stunden am Tag. Vielmehr stellt sich mir die Frage, was ich in diesen zu tun entscheide, wie ich mein Leben gestalte. Jeden Tag kann ich meine Prioritäten überprüfen und neu setzen. Ach was, mehrfach am Tag, mit jeder neuen Entscheidung tue ich dies ja auch, meist unbewusst. 

 

Meine Kleidung kann ich upcyclen, meine Möbel, alte Plastiktüten - und meine Gedanken. Was geht da noch?

 

 

Aufrufe an Eltern                                                                            08.04.2020

"Liebe Eltern!

Es ist in Ordnung:

Wenn eure Kinder nicht alle Aufgaben schaffen,

wenn ihr euren Kindern nicht alles erklären könnt. 
Streitet euch nicht wegen Hausaufgaben. 

Schreit einander nicht an wegen Hausaufgaben.

Stattdessen:

Seid für die Kinder da!

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird sich kein Kind daran erinnern, was es für die Schule gemacht hat, aber jedes Kind wird sich daran erinnern, wie es sich in dieser Situation gefühlt hat. 

Jetzt umarmt eure Kinder und sagt, dass ihr sie liebt!"

gefunden auf www.abcund123.de

 

"You can save the entire human race by spending the whole day doing absokutely nothing. This opportunity won´t come again, so don´t fuck it up."

Dies gehört zu einem Beitrag von Marion Engel als Antwort auf Corona - lernen und lächeln!

 

 

Ein Gedicht...                                                                                   16.03.2020

schrieb dieser junge Mann im Dyslexic Advantage Newsletter (Ausgabe von März 2020). Mich berührt es...

 

 

Lerntherapie online                                                                      15.03.2020

Auf Arte sah ich vor ein paar Tagen einen Beitrag zu neuen Wegen im Umgang mit Depressionen, die viele Gesichter hat, und von der mittlerweile auch zahllose  Kinder und Jugendliche betroffen sind. Alternative Wege und Vorgehensweisen können aus den unterschiedlichsten Gründen sinnvoll sein. So wurde dort eine Frau vorgestellt, die wegen der räumlichen Entfernung nur monatlich im direkten Kontakt mit ihrem Therapeuten sein konnte. In der restlichen Zeit arbeitete sie an einer Art Tagebuch mithilfe des PCs, in welches er Einsicht hatte, um zeitnah reagieren zu können. 

Ungewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen! In der Vergangenheit haben wir ein paar Erfahrungen sammeln können, wie auch über Telefon und WhattsApp-Telefonate Hilfe geleistet werden kann. Nun bauen wir mit Feuereifer das Konzept aus, so dass auch in diesen unbeständigen Zeiten eine gewisse Kontinuität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit für Kinder und Jugendliche gewahrt wird. 

 

 

Corona-Chance                                                                            14.03.2020 

Das chinesische Schriftzeichen für Krise bedeutet gleichzeitig Gefahr und Chance. Selbst wenn das zunächst schwerfallen mag, kann ich in jeder Situation viele unterschiedliche Aspekte entdecken. Die Frage stellt sich mir nun: Worauf will ich meinen Fokus richten?

Zunächst einmal wird jetzt, wie oft auch beim ersten Schneefall, alles "entschleunigt", der "Normalbetrieb" wird heruntergefahren, wenn auch nicht freiwillig. Da wir alle meist in einem viel zu hohen Tempo unterwegs sind, bietet sich dadurch die Gelegenheit, Prioritäten zu hinterfragen. Wo bin ich in der letzten Zeit vielleicht steckengeblieben, habe vieles als allzu selbstverständlich hingenommen? Habe ich mich in meiner Komfortzone eingerichtet? Stimmen meine Ziele noch, oder gilt es, diese nun neu zu ordnen, Entscheidungen zu fällen? Was kann ich loslassen, weil es überfällig ist, davon Abschied zu nehmen? Was liegt mir wirklich am Herzen, wofür "brenne" ich? Und in welche Lebensbereiche möchte ich mehr Energie hineingeben? 

 

Eine Illusion wird uns nun sicher geraubt: die der Planbarkeit, der scheinbaren Sicherheit im Außen, der Stabilität. Genau genommen konnten wir schon vor Corona nicht wissen, was der nächste Tag bringen würde. Doch wir alle lebten so, als "hätten wir noch eine zweite Welt im Kofferraum" und wären unsterblich. Gleichzeitig kämpfen in jeder Sekunde Menschen auf dem ganzen Erdball mit so unendlich viel größeren Katastrophen als die, welche wir nun selbst erleben (und die vielen Menschen, scheinbar weit von uns entfernt, nun noch zusätzlich aufgebürdet wird). Auf dem Klopapier, das ich kaufe, steht  etwa: "Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu Toiletten." (Für mich als "Mädchen" unvorstellbar...) Und "das Virus bedroht nicht nur uns, sondern viele Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben." (Rundmail von Global Citizen, 16.03.2020) Das, was uns als das Natürlichste der Welt erscheint, ist eben nicht jedem Menschen frei zugänglich.

 

Ich darf jeden Tag mit Wertschätzung und Dankbarkeit beginnen und auch beenden, weil wir in unserer Kultur so reich beschenkt sind. Vieles von dem, was mir selbstverständlich ist, brauche ich vielleicht auch gar nicht mehr, das wird mir nun klar. Von dem Reichtum, den wir alle hier genießen (damit meine ich nicht bloß finanzielle Ressourcen) kann jede und jeder "den zehnten Teil" abgeben. Das kann auch in Form von Zeit und Aufmerksamkeit sein - ein offenes Ohr oder den Sitzplatz im Bus anzubieten, jemanden im Straßenverkehr den Vorrang zu gewähren, und eben keine Hamsterkäufe zu machen, damit für alle ausreichend da ist...

Die Krise deckt schonungslos auf, wie wir wirklich aufgestellt sind. Die Chance besteht darin, mich selbst zu hinterfragen und neu zu entscheiden: Was für ein Mensch möchte ich heute, in dieser Situation, sein? Welche Spuren möchte ich in meinem Leben und durch mein Wirken hinterlassen?                                                                               

                                                  

Ist mein Glas halb leer oder halb voll?                                        27.02.2020 

"What we have before us are some breathtaking opportunities disguised as insoluble problems."

- John W. Gardner, gefunden im Newsletter von One Spirit Learning Alliance vom 27.02.20202.

Dieser Satz lässt mich innehalten. Das, was ich täglich in meiner Arbeit erlebe (Schwierigkeiten beim schulischen Lernen, die Beteiligung aller Interaktions-partner*innen bei Lernauffälligkeiten, mangelnde Integration diverser Faktoren) sowie Umwelt- und politische Themen - wie stelle ich mich dazu? Erkläre ich sie zu unlösbaren Problemen, erlaube ich es mir, den Kopf in den Sand zu stecken, oder erkenne ich immer wieder Gelegenheit zur Weiterentwicklung und zum Wachsen?

(und übrigens: Wenn dein Glas halb leer ist, fülle den Inhalt einfach in ein kleineres... Dann dürfte es passen.)

         

                                                                       

Fragen...                                                                                          29.02.2020

"What shapes our lives are the questions we ask, refuse to ask or never think." Sam Keen,

- gefunden im Newsletter von One Spirit Learning Alliance vom 21.02.2020.

Mich spricht dieser Satz gerade sehr an. Denn ich merke, dass manche Fragen, die ich stelle, wenig hilfreich sind (etwa "Warum ist dies und das gerade so schwerfällig?") und manche mich aufrichten und mir Kraft geben (vielleicht "Welchen Beitrag kann ich dazu leisten, dass dies und das wieder in Bewegung kommt und leichter wird?").

Besonders die Fragen, die ich nie stelle, vielleicht, weil dies das Verlassen meiner Komfortzone voraussetzt, sind da interessant...

 

 

Macht                                                                                               23.01.2020

Das Wort "Macht" erlebe ich häufig negativ besetzt. Machtmissbrauch fällt mir dazu ein, Macht die ausgeübt wird, um andere Menschen klein zu halten. 

Vielleicht können wir uns auf eine Definition von Macht im Sinne von "etwas machen", und zwar nicht gegen jemand oder etwas, sondern für eine Sache oder ein gemeinsames Thema, einigen?

         

                                                                                            

"Werde zum Schüler                                                                       24.12.2019

Kinder haben eine Faszination für das Gewöhnliche

und können zeitlose Momente damit zubringen, 

zu betrachten, wie das Sonnenlicht mit dem Staub spielt.

Ihre Rastlosigkeit lernen sie von dir. 

Du bist es, der an dort denkt,

wenn du hier bist. 

Du bist es, der an später denkt, 

statt an jetzt. 

Hör auf damit.

Lass deine Kinder deine Lehrer sein,

und werde zum Schüler."

William Martin, "Das Tao Te King für Eltern"

 

                                                                                                                          Wie mag das wohl sein?                                                               17.11.2019

Gerade habe ich ein Kick-Starter-Projekt unterstützt, und zwar das von Sam Barclay, "I wonder what it´s like to be dyslexic". Sam erhielt als junger Mensch Hilfe bei den Herausforderungen seiner Dyslexie, doch gab er sich damit nicht zufrieden. Das, was ihm angeboten wurde, “was always aimed at making me read better. Very little effort was made to help the people around me understand what if feels like to struggle with reading.” In seinem Buch will er vermitteln, wie es sich anfühlt, mit einer Dyslexie zu leben. 

Och, das möchte ich auch sehr gerne tun.....

 

 

Was wir brauchen....                                                                      15.10.2019

Gemeinsam können wir hinschauen, was für berührende, erfüllende und Kraft spendende Gespräche Not-wendig ist - solche unter Eltern, mit Lehrerinnen und Lehrern, solche in Kooperationspartnerschaften...

Herausgefunden haben Anne, meine Kollegin, und ich schon folgende Punkte:

  • Ressourcen (Energie, Zeit, manchmal auch Geld)
  • Bereitschaft (entweder das Leiden an dem, wie es gerade ist, oder auch ein sehr starker Wunsch sowie die Absicht zur Veränderung)
  • Bewusstheit (u. a. Reflektionsvermögen, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Respekt gegenüber unterschiedlichen Standpunkten)
  • und, last but not least, Vertrauen! Vertrauen in mein Gegenüber, in das Leben, in den stetigen Wandel als Grundlage im Kosmos, und Selbstvertrauen.  

 

 

Elaine N. Aron                                                                                24.09.2019  hat schon viel Interessantes zum Thema Hochsensibilität geschrieben.

Zehn Jahre hat sie an ihrem Buch "Die Kraft der Bindung" gearbeitet. Ihre reiche Lebenserfahrung sowie ihre beruflichen Hintergründe tragen zu diesem bemerkenswerten, dichten Buch bei. Immer wieder lese ich darin und entdecke jedes Mal neue Facetten.

Sie schreibt über die Faktoren, die zu einem stabilen Selbstwertgefühl führen und über die inneren Selbstschutzmechanismen, die wir Menschen uns aufgrund unserer frühkindlichen Erlebnisse aneignen - und in der Regel später nicht mehr hinterfragen. An ihnen leiden wir jedoch, schränken uns durch sie unnötig ein. 

Dass Kritik und wiederholte Misserfolgserfahrungen sich (nicht bloß) auf die Kinder, mit denen ich arbeite, genauso wie körperliche Schmerzen auswirken, kann ich selbst jeden Tag beobachten. 

 

 

Buchempfehlung                                                                            15.08.2019

"Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid" von Fredrik Backman hat mein Herz berührt. Diese Geschichte handelt von dem, was sich hinter dem Offensichtlichen verbirgt, von der Kraft der Phantasie und von denjenigen, die zusammenwachsen und zusammenhalten.

"Eine große Hymne auf das Recht, anders zu sein." Bücher Magazin

 

 

Film                                                                                                 10.07.2019

"Taare Zamen Par - Ein Stern auf Erden (Every Child is Special)"

Auf Netflix stieß ich auf diesen ausgezeichneten, in Mumbai produzierten Film über einen Jungen, dessen LRS zunächst nicht erkannt wird. Deshalb zeigt sich Ishaan in der Schule sehr auffällig. Die Erwachsenen sind verzweifelt, die Abwärtsspirale dreht sich - bis ein Aushilfslehrer merkt, was mit dem Kind los ist. Ein farbenprächtiges Kunstwerk, tolle Infos dazu, wie es im Leben eines Menschen aussieht, dessen Zugang zum Lernen anders stattfindet, und Taschentuchalarm! Unbedingt empfehlenswert.

 

 

Demokratie, auch an Schulen                                                                      30.06.2019

"Die AFD ist eine Partei, die überaus geschickt darin ist, Menschen „abzuholen“, die geprägt sind von Kleinheitsgefühlen, Minderwertigkeit und Schmerzverleugnung. Der „Clou“ der Ansprache besteht darin, potentiellen Wählern den Eindruck zu vermitteln, groß, stark und wissend zu sein. Durch die „richtige Wahl“ können von sich selbst entfremdete Menschen endlich (oder endgültig) den Beweis erbringen, einzigartige, kluge Köpfe mit einem besonderen „Bescheidwissen“ zu sein. Eben noch unerhört und für dumm verkauft, wird es durch den AFD-Slang möglich, die Empore des Durchblicks zu erklimmen. „Fake-News!“, schallt es durch Straßen und Netzwerke. Das reicht. Die Behauptung „Fake-News“ reicht, um klarzustellen: „Wir wissen, wie`s läuft. IHR seid die eigentlichen Handlanger!“

Das AFD-Programm ist voll von Behauptungen, Phrasen und Schlagwörtern, die diejenigen, die die Partei zu wählen gedenken mit Bedeutung und Klarsicht versehen. So funktioniert Werbung. Ich kaufe mir niemals nur ein neues Auto. Ich kaufe mir ein Aushängeschild, auf dem zum Beispiel das Qualitätsmerkmal „Vorsprung“ prahlt. Der dazugehörige Slogan lautet hier: „Vorsprung durch Technik.“ Ob es einen nachvollziehbaren und sinnvollen Zusammenhang gibt zwischen Vorsprung und Technik, ist im Prinzip vollkommen unerheblich. Wichtig ist nur: Als Käufer des Autos, hebe ich mich von der breiten Masse (zu der übrigens niemand gehören möchte, weil die „breite Masse“ eine Art Niemandsland ist) durch „Vorsprung“ ab. Ich stehe für Fortschritt und habe die Normalos, die Abgehängten, die Verlierer längst überholt. Dass mein Kaufverhalten immer auch mit meinen (meist ungestillten Bedürfnissen) zu tun hat, bleibt of unbemerkt. Bedürfnisse? Ja. Jedes Verhalten (und damit auch jedes Kaufverhalten) ist eine Strategie zur Befriedigung von Bedürfnissen.

Ginge (bzw. geht) man nun auf (viele) AFD-Wähler zu, um sie auf ihre Bedürfnisse und ihre Bedürfnisstrategien anzusprechen, müsste (muss) man sich möglicherweise auf überaus aggressive Reaktionen gefasst machen. Menschen, die gelernt haben, den inneren Schmerz abzuspalten, können es sich nicht leisten, sich zu ihren wirklichen Bedürfnissen und Gefühlen zu bekennen, weil sie nicht erinnern werden dürfen an ihr biographisch bedingtes Opfersein. Zwar beschweren sie sich darüber, dass sie nicht angehört werden. Wenn sie allerdings auf Menschen treffen, die tatsächlich das Angebot des Zuhörens unterbreiten, reagieren sie nicht selten mit Zorn. Der innere und verbannte Schmerz wird ins Außen verlagert. Im Außen gibt es einerseits genügend Feinde und Projektionsobjekte (zum Beispiel Ausländer, „die da oben“ oder / und Politiker) und andererseits Verbündete, die „gemeinsam stark sind“ und „wirklich zuhören“.

Die Partei der Verbündeten und Zuhörer ist für viele Menschen die AFD geworden. Ihr Programm ist inhaltlich nicht wirklich wichtig und schlüssig („Vorsprung durch Technik“…). Wichtig sind die Etiketten, mit denen sich AFD-Wähler verzieren und aufwerten können.

Wer oder was bin ich, wenn ich die AFD wähle?

Ich bin jemand, der steht:

- Für eigenverantwortliches Denken
- Für das Leistungsprinzip
- Für Disziplin
- Für Kritikfähigkeit, Unvoreingenommenheit, Respekt
- Für das Humboldtsches Bildungsideal
- Für Autonomie
- Gegen politische Indoktrination
- Gegen eine ideologisch motivierte Inklusion „um jeden Preis“
- Gegen Schulverweigerung, Null-Bock-Mentalität, Disziplinlosigkeit, Mobbing und Gewalt
- Usw.

(aus dem „Programm für Deutschland“, Kapitel 8 „Schule, Hochschule und Forschung“)

Früher war ich ein Opfer. Jetzt bin ich Wissender, dessen Mission darin besteht, mit Hilfe der AFD den Untergang des Abendlandes zu verhindern.

Vorsprung durch die AFD…

„Ja, aber funktionieren die anderen Parteien nicht ähnlich?“

Ja, und auch das macht die gegenwärtigen Entwicklungen so gefährlich. Für viele Menschen gibt es zurzeit keine wirklich Alternative zur Alternative. Es wird Zeit, dass in den anderen Parteien ein Umdenken stattfindet. In Richtung: „Hört auf zu funkeln, hört besser zu!“ Eine AFD kann nur im Kontext einer politischen, gesellschaftlichen Gesamtsituation verstanden werden. Die AFD ist kein Phänomen, das außerhalb unser aller Leben betrachtet und verstanden werden kann und darf.

Und falls sich gerade jemand fragt, was meine Gedanken mit meiner Seite INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN zu tun haben:

Das, was in unserem Land gerade (und seit Langem) passiert, ist für mich auch ein klarer Auftrag in Richtung Schule. Ich habe es gefühlt 1000 x gesagt: Viele unserer Schulen sind im Kern zutiefst antidemokratisch ausgerichtet. Hinzu kommt, dass unzählige junge Menschen in der Schule zur Ohnmacht, zur Kleinheit und zum Gehorsam erzogen werden.

Wir brauchen kein rückwärtsgewandtes, romantisches „Früher-war-alles-besser-Gerede“. Wir brauchen Schulen, an denen Menschen Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung, Gleichwürdigkeit, Empathie, Wohlwollen, Stärkung, Ermutigung, Respekt, Inspiration und Demokratie erfahren.

Und bitte: Das geht nicht über Belehrungen oder angelesenes Wissen.

Das geht nur über echte, spürbare Erfahrungen.

Und wo fangen wir an?

Bei uns."

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

 

 

OHA, da gibt es wohl in Zukunft weitere Lieblingslehrer...          05.06.2019

Ein Schulleiter hat mich sehr berührt und mit seinen lebenspraktischen Gedanken angeregt. Manchmal bin ich müde und frustriert, wenn ich täglich die vielen Geschichten der Kinder und Familien höre, die bei uns Hilfe suchen. Mut machen mir Menschen, die in und für Schule neu denken.

 

 

Lernquellen                                                                                     05.06.2019

"Jeder zweite Schüler nutzt Youtube zum Lernen", stellt das Solinger Tageblatt heute fest. "Die Schulverantwortlichen müssten den Schülern beibringen, wie sie nutzbringend, aber auch kritisch mit Informationen daraus umgingen." 

Da folge ich lieber George Carlin, der schon vor geraumer Zeit konstatierte:

"Don´t just teach your children to read, teach them to question what they read. Teach them to question everything." Denn aus meiner Sicht wird es immer dringender, zu überprüfen, was "die wirklichen Fragen" sind und welche Prioritäten gesetzt werden. 

Auf Youtube konnte ich schon sehr viele Anregungen und interessante Ansätze finden - Lernen nicht bloß für Schülerinnen und Schüler. 

 

Mein Lieblingslehrer schreibt (auf Facebook)                             20.05.2019  

"Wer verstehen möchte, warum es etlichen Kindern und Jugendlichen an unseren Schulen richtig mies geht, möge sich den aktuellen Umgang vieler etablierter Politiker mit jungen Menschen und deren Anliegen anschauen. Der Punkt ist: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse, Ängste, Themen und Kritikpunkte junger Menschen nicht wirklich ernst genommen werden. Gleichzeitig - und das ist fast lustig - faseln die "Alten" vom fehlenden Respekt. Und während wir in eine tiefe Demokratie-Krise taumeln, wird der Ruf nach antidemokratischen Lösungen lauter: "Wir müssen uns die Meinungsfreiheit doch noch einmal genauer anschauen. So geht das ja nicht..."

 

Seit Jahren bekommen wir an unseren (vielerorts anti-demokratischen) Schulen die Quittung dafür, dass wir die Integrität junger Menschen verletzen, belächeln, ignorieren. Immer mehr Schüler werden auffällig und ungehorsam, weil sie sich nicht gesehen fühlen und mit dem Rücken zur Wand stehen. Und was machen die Erwachsenen? Sie beklagen sich, anstatt darüber nachzudenken, welche Botschaften die "unmöglichen Schüler" mitzuteilen versuchen.

 

Und jetzt ist die Politik dran. Sie bekommt die Quittung. Ich korrigiere: Sie bekommt einen ganzen Quittungsblock. Im Grunde genommen bekommt sie eine riesige Chance. Die Chance, einen Wendepunkt herbeizuführen, indem sie sich mit einer kompletten Generation aussöhnt. JETZT müssten führende Politiker sagen: "Wir danken euch dafür, dass ihr so klar für eure Standpunkte einsteht. Wir haben verstanden!" Stattdessen wird darüber nachgedacht, dass Meinungsfreiheit wohl doch nicht immer so toll ist und Menschen mit blauen Haaren per Definition nicht ernst genommen werden können.

 

Ich nehme die Farbe blau mittlerweile sehr ernst. Ich wohne in Sachsen und das, was hier passiert, ist ein Albtraum."

Andreas Reinke - Inspiration für Eltern und Pädagogen 

 

 

Schulbesuche und Kooperation mit Lehrkräften                           15.05.2019

Noch nicht immer ganz alltäglich, doch zunehmend und befreiend erlebe ich es, wenn Gespräche (nicht nur in Schulen) auf Augenhöhe stattfinden, wenn Kinder und Jugendliche mit einer Teilleistungsschwäche in ihrer Ganzheit, mit allen Stärken und dem noch brachliegenden Potential - neben der Schwäche!- erkannt werden.

 

Heute lernte ich wieder eine sehr engagierte, warmherzige und systemisch arbeitende Lehrerin an einem Gymnasium kennen.

Spannend, wie so oft, dass sie sich als ganz "normal" bezeichnet mit ihrer Haltung und Vorgehensweise. Sie ist ganz ahnungslos ob ihrer "Besonderheit" und dass sie im Leben vieler Schülerinnen und Schüler einen Unterschied bewirkt - und auch in dem der Erwachsenen, denen sie begegnet (mich eingeschlossen).  

Nun ja, die Mutter, die ich begleiten durfte, und ich haben mehrfach betont, wie glücklich wir darüber sind, dieses Kind von ihr so facettenreich wahrgenommen zu wissen... 

 

 

Prioritäten setzen...                                                                        10.05.2019

Die Hebo-Schule bzw. der Schulleiter und seine Kolleg*innen nehmen eine Haltung zum Thema Fridays for Future ein, die ich teile. Auch ich bin dankbar, mit Schüler*innen arbeiten zu dürfen, die sensibel und wach genug sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen. 

Einige junge Menschen machen mir wirklich Mut und Hoffnung... mein Respekt und Dank dafür, dass ihr eure Zeit und Energie dafür verwendet, Bewusstseinsarbeit zu leisten!

 

 

Lernpartnerschaft                                                                           03.04.2019

Ganz aufgeregt und beflügelt bin ich, weil ich mit meinem Lieblingskollegen einen lebendigen Abend mit einer Elterngruppe sowie der Klassenleitung an einer Gesamtschule moderieren und erleben konnte.

 

Mittelfristig ist es geplant, der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften "einen neuen Atem einzuhauchen". Denn da liegen Schätze verborgen, welche zu einer Entlastung im Schulalltag beitragen können. 

 

Besonders freue ich mich darüber, dass der Schulleiter die Schnittmenge unserer beider Arbeit erkennt und und wertschätzt. Auch ihm geht es um ein Miteinander aller Beteiligten zum Wohle der Schüler*innen. Für mich ist dies ein Akt der Nachhaltigkeit und des Klimawandels! Es öffnen sich Möglichkeiten, durch die das (Schul-)Leben so viel befruchtender und konstruktiver sein kann... denn bekanntlich ist die Summe mehr als ihre Teile. 

             

                                                                                                        April 2019 

Andreas Reinke – Inspiration für Eltern und Pädagogen - gefunden auf FaceBook                                                                                                     

"Wenn wir als Lehrer die Verantwortung für die Qualität des Miteinanders übernehmen und die Botschaften unserer Schüler ernst nehmen wollen, müssen wir zunächst einmal gar nicht so viel tun. Und genau das ist für viele von uns eine völlig neue Herausforderung, weil wir in einen anderen, möglicherweise sehr ungewohnten, mitunter sogar beängstigenden Modus gehen: Wir geben Definitionsmacht und Kontrolle ab und öffnen uns für die Signale, die unsere Schüler aussenden. Das wiederum bedeutet nicht, sich der Launen und Wünsche seiner Schüler zu unterwerfen. Gleichwürdigkeit heißt nicht: Ich mache alles für dich. Gleichwürdigkeit heißt: Deine Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle sind wichtig UND meine Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle sind wichtig.

 

UND! Nicht ODER…

 

Wir öffnen uns nicht, indem unser Kopf krampfhaft nach Lösungen, Wegen oder Antworten sucht. Wir öffnen uns nicht, indem wir uns verteidigen und Gegenargumente ins Feld führen. Wir öffnen uns nicht, indem wir nur auf das konkret Gesagte oder das Verhalten achten und gedanklich pendeln zwischen "richtig" und "falsch".

 

Wir öffnen uns, indem wir uns als Menschen auf Menschen einstimmen. Wir öffnen uns, indem wir erspüren, auf welchem Kanal mein Gegenüber sendet. Wir öffnen uns, indem wir uns innerlich einstellen. Das ist ein bisschen so wie damals, als wir am alten Fernseher den Knopf drehten, um ein klares Bild zu bekommen.

 

Wenn wir Lehrer spüren, dass die Beziehung zwischen uns und unseren Schülern eher ein Gegeneinander als ein Miteinander ist, sollten wir auf "Pause" drücken und in Beziehung gehen. Dann brauchen wir sozusagen „Kontaktspray“…

"Leute, Pause! Ich merke, dass hier irgendetwas zwischen uns nicht stimmt. Jetzt brauche ich eure Hilfe. Sagt mir bitte, was ich anders machen kann."

 

Und ein weiterer Beitrag:

"Der oft zitierte und von vielen Lehrern und Schulleitern eingeforderte Schulfrieden ist bei genauerer Betrachtung eine Art Rechtfertigungslehre für Gehorsam, Ruhe und Gleichschritt. Wenn es Lehrern „gelingt“, Schüler dazu zu verpflichten, die zu sein, die sie sein sollen, kann der Schein des Sichtbaren die Sinne so sehr trüben, dass niemand bemerkt, wenn der Druck in den Menschen und auf dem gesamten Schulkessel langsam und stetig steigt. Schüler, die pünktlich zum Unterricht erscheinen, brav mitmachen, sich ein- bzw. unterordnen und keinen Ärger machen, sind der Beweis dafür, dass Lehrer und Schulleiter kompetent sind. Und da Lehrer und Schulleiter kompetent wirken wollen (und eine panische Angst davor haben, als inkompetent entlarvt zu werden), setzen sie nahezu alles daran, jedes Abweichen von irgendwelchen Normen zu unterbinden.

 

Die Pointe ist nun aber, dass sich viele kleinere heruntergeschluckte Neins im Laufe der Zeit zu einem großen NEIN vereinen können. Das „große NEIN“ kann sich auf verschiedenen Ebenen äußern. Manche Schüler sagen NEIN zu sich selbst (diese Menschen sind zwar gefährdet, gefährden aber weniger den Schulfrieden), andere sagen NEIN zu Lehrern oder zur Schule insgesamt. Ihr NEIN ist das Ergebnis einer Aneinanderreihung von vielen „kleinen“ Nadelstichen auf der existentiellen Ebene des Selbstwertgefühls. Spätestens jetzt müssten Erwachsene auf sie zukommen und sie auf der existentiellen Ebene sehen und ansprechen.

 

Viel wird gerade wieder diskutiert über die steigende Anzahl derer, die trotz Schulanwesenheitspflicht von der Schule fernbleiben. Und dann wird darüber gefachsimpelt, was man denn mit „Schulschwänzern“ und dazugehörigen Eltern machen sollte, damit sie ihrer Pflicht endlich wieder nachkommen. Manche Eltern berichten mir davon, dass sie von ausgebildeten Psychologen den Ratschlag erhalten, zu Hause hart durchzugreifen, damit ihre Kinder endlich lernen, im Leben zurechtzukommen.

 

Die Art und Weise, wie mit Menschen umgegangen wird, die NEIN zur Schule sagen, ist nicht nur peinlich. Hier wird deutlich, dass wir es im Schulsystem mit einer tiefen Verantwortungskrise zu tun haben. Wenn die Leute nicht mehr in meinen Laden kommen wollen, muss ich mich doch bitte fragen, was in meinem Laden los ist, anstatt die Leute dafür falsch zu machen, dass sie nicht mehr in meinen Laden kommen. Was ist denn das? Man stelle sich vor, dass man Menschen, die sich von der Deutschen Bahn oder von OBI abwenden, zur Therapie schickt, damit sie ihr Bahn- oder OBI-Problem in den Griff bekommen. Und auf dem Behandlungsplan stünde dann die Diagnose "Bahnabstinenz" oder "OBIphobie"..."