"Gedankenanstupser" und geplaudert aus dem Nähkästchen...

 

                                                                                                    02.08.2020 

Schon der Titel spricht mich sehr an: "Wege aus der Angst. Über die Kunst, die Unvorhersehbarkeit des Lebens anzunehmen" - so heißt das neue Buchmanuskript von Gerald Hüther. Auf die Erscheinung freue ich mich schon. Denn in den letzten Monaten haben wir wohl alle auf die ein oder andere Weise Ängste erlebt, bei uns selbst oder auch bei anderen Menschen. Und ich wünsche mir, dass wir alle sehr genau hinschauen, welche Ängste Kinder uns in den kommenden Monaten rückmelden. Vor allem hoffe ich, dass wir mit offenen Ohren hinhören sowie unsere Herzen öffnen, statt einfach beschwichtigen, glattbügeln zu wollen. 

 

                                                                                                     04.07.2020

Mehrere "Challenges" habe ich mir selbst gestellt in den letzten Wochen. Vermutlich wollte ich mich selbst in Bezug auf meine Flexibilität und meine Offenheit für Neues "kitzeln". Viele davon habe ich erfolgreich durchgeführt (mir die Haare selbst schneiden - kurze Haare in Coronazeiten brauchen etwas Wagemut), eine nach zwei Tagen schon wieder abgebrochen (frisch gepresster Selleriesaft pur zum Frühstück, no go!). Mir gefällt, dass es auch "Dauerbrenner" gibt (weitgehend vegetarisch lebe ich ja schon seit vielen Jahren, vegan ist so viel einfacher als gedacht). Erstaunt bin ich darüber, wie mich auch schon die Veränderung kleiner Angewohnheiten aus dem Rhythmus bringen kann. Und demütig bin ich, weil ich sehe, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die unfreiwillig und gezwungenermaßen ihre Komfortzone, ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen... wie dankbar bin ich für Stabilität und dennoch die Freiheit, ausprobieren zu dürfen! Auch merke ich, wie eine Entscheidung auf der einen Seite Wachstumsprozesse auf einer anderen anregt. Tatsächlich ist alles mit allem verbunden. 

 

Begriffen habe ich auch: "Was wir wissen, ist ein Tropfen - was wir nicht wissen ein Ozean." Es gibt so vieles zu entdecken in so vielen Kontexten, von denen ich dachte, ich hätte sie schon erschlossen, dass ich nun vieles viel bewusster anschaue - und hinterfrage. Was darf sich ändern?  

 

                                                                                                     17.06.2020

"Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung." (Wikipedia)

 

Diese Tage fordern doch geradezu heraus, zu experimentieren und neu zu interpretieren! Was gibt es schöneres, als den Kleiderschrank nach stiefkindlich behandelten Kleidungsstücken zu durchforsten und ihnen neues Leben einzuhauchen, mit ein wenig Garn und Nadel eine eigene kleine Welt zu erschaffen.... Letztendlich gibt es viele Möglichkeiten, kreativ zu werden und ganz ins Hier und Jetzt einzuhauchen. 

 

Doch wie oft höre ich: "Dafür habe ich keine Zeit!" Ganz ehrlich: Zeit ist das einzige Gut, das absolut gerecht verteilt ist, jede und jeder von uns hat 24 Stunden am Tag. Vielmehr stellt sich mir die Frage, was ich in diesen zu tun entscheide, wie ich mein Leben gestalte. Jeden Tag kann ich meine Prioritäten überprüfen und neu setzen. Ach was, mehrfach am Tag, mit jeder neuen Entscheidung tue ich dies ja auch, meist unbewusst. 

 

Meine Kleidung kann ich upcyclen, meine Möbel, alte Plastiktüten - und meine Gedanken. Was geht da noch?

 

 

Aufrufe an Eltern                                                                            08.04.2020

"Liebe Eltern!

Es ist in Ordnung:

Wenn eure Kinder nicht alle Aufgaben schaffen,

wenn ihr euren Kindern nicht alles erklären könnt. 
Streitet euch nicht wegen Hausaufgaben. 

Schreit einander nicht an wegen Hausaufgaben.

Stattdessen:

Seid für die Kinder da!

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird sich kein Kind daran erinnern, was es für die Schule gemacht hat, aber jedes Kind wird sich daran erinnern, wie es sich in dieser Situation gefühlt hat. 

Jetzt umarmt eure Kinder und sagt, dass ihr sie liebt!"

gefunden auf www.abcund123.de

 

"You can save the entire human race by spending the whole day doing absokutely nothing. This opportunity won´t come again, so don´t fuck it up."

Dies gehört zu einem Beitrag von Marion Engel als Antwort auf Corona - lernen und lächeln!

 

 

Ein Gedicht...                                                                                   16.03.2020

schrieb dieser junge Mann im Dyslexic Advantage Newsletter (Ausgabe von März 2020). Mich berührt es...

 

 

Lerntherapie online                                                                      15.03.2020

Auf Arte sah ich vor ein paar Tagen einen Beitrag zu neuen Wegen im Umgang mit Depressionen, die viele Gesichter hat, und von der mittlerweile auch zahllose  Kinder und Jugendliche betroffen sind. Alternative Wege und Vorgehensweisen können aus den unterschiedlichsten Gründen sinnvoll sein. So wurde dort eine Frau vorgestellt, die wegen der räumlichen Entfernung nur monatlich im direkten Kontakt mit ihrem Therapeuten sein konnte. In der restlichen Zeit arbeitete sie an einer Art Tagebuch mithilfe des PCs, in welches er Einsicht hatte, um zeitnah reagieren zu können. 

Ungewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen! In der Vergangenheit haben wir ein paar Erfahrungen sammeln können, wie auch über Telefon und WhattsApp-Telefonate Hilfe geleistet werden kann. Nun bauen wir mit Feuereifer das Konzept aus, so dass auch in diesen unbeständigen Zeiten eine gewisse Kontinuität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit für Kinder und Jugendliche gewahrt wird. 

 

 

Corona-Chance                                                                            14.03.2020 

Das chinesische Schriftzeichen für Krise bedeutet gleichzeitig Gefahr und Chance. Selbst wenn das zunächst schwerfallen mag, kann ich in jeder Situation viele unterschiedliche Aspekte entdecken. Die Frage stellt sich mir nun: Worauf will ich meinen Fokus richten?

Zunächst einmal wird jetzt, wie oft auch beim ersten Schneefall, alles "entschleunigt", der "Normalbetrieb" wird heruntergefahren, wenn auch nicht freiwillig. Da wir alle meist in einem viel zu hohen Tempo unterwegs sind, bietet sich dadurch die Gelegenheit, Prioritäten zu hinterfragen. Wo bin ich in der letzten Zeit vielleicht steckengeblieben, habe vieles als allzu selbstverständlich hingenommen? Habe ich mich in meiner Komfortzone eingerichtet? Stimmen meine Ziele noch, oder gilt es, diese nun neu zu ordnen, Entscheidungen zu fällen? Was kann ich loslassen, weil es überfällig ist, davon Abschied zu nehmen? Was liegt mir wirklich am Herzen, wofür "brenne" ich? Und in welche Lebensbereiche möchte ich mehr Energie hineingeben? 

 

Eine Illusion wird uns nun sicher geraubt: die der Planbarkeit, der scheinbaren Sicherheit im Außen, der Stabiltät. Genau genommen konnten wir schon vor Corona nicht wissen, was der nächste Tag bringen würde. Doch wir alle lebten so, als "hätten wir noch eine zweite Welt im Kofferraum" und wären unsterblich. Gleichzeitig kämpfen in jeder Sekunde Menschen auf dem ganzen Erdball mit so unendlich viel größeren Katastrophen als die, welche wir nun selbst erleben (und die vielen Menschen, scheinbar weit von uns entfernt, nun noch zusätzlich aufgebürdet wird). Auf dem Klopapier, das ich kaufe, steht  etwa: "Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu Toiletten." (Für mich als "Mädchen" unvorstellbar...) Und "das Virus bedroht nicht nur uns, sondern viele Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben." (Rundmail von Global Citizen, 16.03.2020) Das, was uns als das Natürlichste der Welt erscheint, ist eben nicht jedem Menschen frei zugänglich.

 

Ich darf jeden Tag mit Wertschätzung und Dankbarkeit beginnen und auch beenden, weil wir in unserer Kultur so reich beschenkt sind. Vieles von dem, was mir selbstverständlich ist, brauche ich vielleicht auch gar nicht mehr, das wird mir nun klar. Von dem Reichtum, den wir alle hier genießen (damit meine ich nicht bloß finanzielle Ressourcen) kann jede und jeder "den zehnten Teil" abgeben. Das kann auch in Form von Zeit und Aufmerksamkeit sein - ein offenes Ohr oder den Sitzplatz im Bus anzubieten, jemanden im Straßenverkehr den Vorrang zu gewähren, und eben keine Hamsterkäufe zu machen, damit für alle ausreichend da ist...

Die Krise deckt schonungslos auf, wie wir wirklich aufgestellt sind. Die Chance besteht darin, mich selbst zu hinterfragen und neu zu entscheiden: Was für ein Mensch möchte ich heute, in dieser Situation, sein? Welche Spuren möchte ich in meinem Leben und durch mein Wirken hinterlassen?                                                                               

                                                  

Ist mein Glas halb leer oder halb voll?                                       27.02.2020 

"What we have before us are some breathtaking opportunities disguised as insoluble problems."

- John W. Gardner, gefunden im Newsletter von One Spirit Learning Alliance vom 27.02.20202.

Dieser Satz lässt mich innehalten. Das, was ich täglich in meiner Arbeit erlebe (Schwierigkeiten beim schulischen Lernen, die Beteiligung aller Interaktions-partner*innen bei Lernauffälligkeiten, mangelnde Integration diverser Faktoren) sowie Umwelt- und politische Themen - wie stelle ich mich dazu? Erkläre ich sie zu unlösbaren Problemen, erlaube ich es mir, den Kopf in den Sand zu stecken, oder erkenne ich immer wieder Gelegenheit zur Weiterentwicklung und zum Wachsen?

(und übrigens: Wenn dein Glas halb leer ist, fülle den Inhalt einfach in ein kleineres... Dann dürfte es passen.)

         

                                                                       

Fragen...                                                                                          29.02.2020

"What shapes our lives are the questions we ask, refuse to ask or never think." Sam Keen,

- gefunden im Newsletter von One Spirit Learning Alliance vom 21.02.2020.

Mich spricht dieser Satz gerade sehr an. Denn ich merke, dass manche Fragen, die ich stelle, wenig hilfreich sind (etwa "Warum ist dies und das gerade so schwerfällig?") und manche mich aufrichten und mir Kraft geben (vielleicht "Welchen Beitrag kann ich dazu leisten, dass dies und das wieder in Bewegung kommt und leichter wird?").

Besonders die Fragen, die ich nie stelle, vielleicht, weil dies das Verlassen meiner Komfortzone voraussetzt, sind da interessant...

 

 

Macht                                                                                               23.01.2020

Das Wort "Macht" erlebe ich häufig negativ besetzt. Machtmissbrauch fällt mir dazu ein, Macht die ausgeübt wird, um andere Menschen klein zu halten. 

Vielleicht können wir uns auf eine Definition von Macht im Sinne von "etwas machen", und zwar nicht gegen jemand oder etwas, sondern für eine Sache oder ein gemeinsames Thema, einigen?

         

                                                                                            

"Werde zum Schüler                                                                       24.12.2019

Kinder haben eine Faszination für das Gewöhnliche

und können zeitlose Momente damit zubringen, 

zu betrachten, wie das Sonnenlicht mit dem Staub spielt.

Ihre Rastlosigkeit lernen sie von dir. 

Du bist es, der an dort denkt,

wenn du hier bist. 

Du bist es, der an später denkt, 

statt an jetzt. 

Hör auf damit.

Lass deine Kinder deine Lehrer sein,

und werde zum Schüler."

William Martin, "Das Tao Te King für Eltern"

 

                                                                                                                          Wie mag das wohl sein?                                                               17.11.2019

Gerade habe ich ein Kick-Starter-Projekt unterstützt, und zwar das von Sam Barclay, "I wonder what it´s like to be dyslexic". Sam erhielt als junger Mensch Hilfe bei den Herausforderungen seiner Dyslexie, doch gab er sich damit nicht zufrieden. Das, was ihm angeboten wurde, “was always aimed at making me read better. Very little effort was made to help the people around me understand what if feels like to struggle with reading.” In seinem Buch will er vermitteln, wie es sich anfühlt, mit einer Dyslexie zu leben. 

Och, das möchte ich auch sehr gerne tun.....

 

 

Was wir brauchen....                                                                      15.10.2019

Gemeinsam können wir hinschauen, was für berührende, erfüllende und Kraft spendende Gespräche Not-wendig ist - solche unter Eltern, mit Lehrerinnen und Lehrern, solche in Kooperationspartnerschaften...

Herausgefunden haben Anne, meine Kollegin, und ich schon folgende Punkte:

  • Ressourcen (Energie, Zeit, manchmal auch Geld)
  • Bereitschaft (entweder das Leiden an dem, wie es gerade ist, oder auch ein sehr starker Wunsch sowie die Absicht zur Veränderung)
  • Bewusstheit (u. a. Reflektionsvermögen, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Respekt gegenüber unterschiedlichen Standpunkten)
  • und, last but not least, Vertrauen! Vertrauen in mein Gegenüber, in das Leben, in den stetigen Wandel als Grundlage im Kosmos, und Selbstvertrauen.  

 

 

Elaine N. Aron                                                                                24.09.2019  hat schon viel Interessantes zum Thema Hochsensibilität geschrieben.

Zehn Jahre hat sie an ihrem Buch "Die Kraft der Bindung" gearbeitet. Ihre reiche Lebenserfahrung sowie ihre beruflichen Hintergründe tragen zu diesem bemerkenswerten, dichten Buch bei. Immer wieder lese ich darin und entdecke jedes Mal neue Facetten.

Sie schreibt über die Faktoren, die zu einem stabilen Selbstwertgefühl führen und über die inneren Selbstschutzmechanismen, die wir Menschen uns aufgrund unserer frühkindlichen Erlebnisse aneignen - und in der Regel später nicht mehr hinterfragen. An ihnen leiden wir jedoch, schränken uns durch sie unnötig ein. 

Dass Kritik und wiederholte Misserfolgserfahrungen sich (nicht bloß) auf die Kinder, mit denen ich arbeite, genauso wie körperliche Schmerzen auswirken, kann ich selbst jeden Tag beobachten. 

 

 

Buchempfehlung                                                                            15.08.2019

"Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid" von Fredrik Backman hat mein Herz berührt. Diese Geschichte handelt von dem, was sich hinter dem Offensichtlichen verbirgt, von der Kraft der Phantasie und von denjenigen, die zusammenwachsen und zusammenhalten.

"Eine große Hymne auf das Recht, anders zu sein." Bücher Magazin

 

 

Film                                                                                                 10.07.2019

"Taare Zamen Par - Ein Stern auf Erden (Every Child is Special)"

Auf Netflix stieß ich auf diesen ausgezeichneten, in Mumbai produzierten Film über einen Jungen, dessen LRS zunächst nicht erkannt wird. Deshalb zeigt sich Ishaan in der Schule sehr auffällig. Die Erwachsenen sind verzweifelt, die Abwärtsspirale dreht sich - bis ein Aushilfslehrer merkt, was mit dem Kind los ist. Ein farbenprächtiges Kunstwerk, tolle Infos dazu, wie es im Leben eines Menschen aussieht, dessen Zugang zum Lernen anders stattfindet, und Taschentuchalarm! Unbedingt empfehlenswert.

 

 

Demokratie, auch an Schulen                                                                      30.06.2019

"Die AFD ist eine Partei, die überaus geschickt darin ist, Menschen „abzuholen“, die geprägt sind von Kleinheitsgefühlen, Minderwertigkeit und Schmerzverleugnung. Der „Clou“ der Ansprache besteht darin, potentiellen Wählern den Eindruck zu vermitteln, groß, stark und wissend zu sein. Durch die „richtige Wahl“ können von sich selbst entfremdete Menschen endlich (oder endgültig) den Beweis erbringen, einzigartige, kluge Köpfe mit einem besonderen „Bescheidwissen“ zu sein. Eben noch unerhört und für dumm verkauft, wird es durch den AFD-Slang möglich, die Empore des Durchblicks zu erklimmen. „Fake-News!“, schallt es durch Straßen und Netzwerke. Das reicht. Die Behauptung „Fake-News“ reicht, um klarzustellen: „Wir wissen, wie`s läuft. IHR seid die eigentlichen Handlanger!“

Das AFD-Programm ist voll von Behauptungen, Phrasen und Schlagwörtern, die diejenigen, die die Partei zu wählen gedenken mit Bedeutung und Klarsicht versehen. So funktioniert Werbung. Ich kaufe mir niemals nur ein neues Auto. Ich kaufe mir ein Aushängeschild, auf dem zum Beispiel das Qualitätsmerkmal „Vorsprung“ prahlt. Der dazugehörige Slogan lautet hier: „Vorsprung durch Technik.“ Ob es einen nachvollziehbaren und sinnvollen Zusammenhang gibt zwischen Vorsprung und Technik, ist im Prinzip vollkommen unerheblich. Wichtig ist nur: Als Käufer des Autos, hebe ich mich von der breiten Masse (zu der übrigens niemand gehören möchte, weil die „breite Masse“ eine Art Niemandsland ist) durch „Vorsprung“ ab. Ich stehe für Fortschritt und habe die Normalos, die Abgehängten, die Verlierer längst überholt. Dass mein Kaufverhalten immer auch mit meinen (meist ungestillten Bedürfnissen) zu tun hat, bleibt of unbemerkt. Bedürfnisse? Ja. Jedes Verhalten (und damit auch jedes Kaufverhalten) ist eine Strategie zur Befriedigung von Bedürfnissen.

Ginge (bzw. geht) man nun auf (viele) AFD-Wähler zu, um sie auf ihre Bedürfnisse und ihre Bedürfnisstrategien anzusprechen, müsste (muss) man sich möglicherweise auf überaus aggressive Reaktionen gefasst machen. Menschen, die gelernt haben, den inneren Schmerz abzuspalten, können es sich nicht leisten, sich zu ihren wirklichen Bedürfnissen und Gefühlen zu bekennen, weil sie nicht erinnern werden dürfen an ihr biographisch bedingtes Opfersein. Zwar beschweren sie sich darüber, dass sie nicht angehört werden. Wenn sie allerdings auf Menschen treffen, die tatsächlich das Angebot des Zuhörens unterbreiten, reagieren sie nicht selten mit Zorn. Der innere und verbannte Schmerz wird ins Außen verlagert. Im Außen gibt es einerseits genügend Feinde und Projektionsobjekte (zum Beispiel Ausländer, „die da oben“ oder / und Politiker) und andererseits Verbündete, die „gemeinsam stark sind“ und „wirklich zuhören“.

Die Partei der Verbündeten und Zuhörer ist für viele Menschen die AFD geworden. Ihr Programm ist inhaltlich nicht wirklich wichtig und schlüssig („Vorsprung durch Technik“…). Wichtig sind die Etiketten, mit denen sich AFD-Wähler verzieren und aufwerten können.

Wer oder was bin ich, wenn ich die AFD wähle?

Ich bin jemand, der steht:

- Für eigenverantwortliches Denken
- Für das Leistungsprinzip
- Für Disziplin
- Für Kritikfähigkeit, Unvoreingenommenheit, Respekt
- Für das Humboldtsches Bildungsideal
- Für Autonomie
- Gegen politische Indoktrination
- Gegen eine ideologisch motivierte Inklusion „um jeden Preis“
- Gegen Schulverweigerung, Null-Bock-Mentalität, Disziplinlosigkeit, Mobbing und Gewalt
- Usw.

(aus dem „Programm für Deutschland“, Kapitel 8 „Schule, Hochschule und Forschung“)

Früher war ich ein Opfer. Jetzt bin ich Wissender, dessen Mission darin besteht, mit Hilfe der AFD den Untergang des Abendlandes zu verhindern.

Vorsprung durch die AFD…

„Ja, aber funktionieren die anderen Parteien nicht ähnlich?“

Ja, und auch das macht die gegenwärtigen Entwicklungen so gefährlich. Für viele Menschen gibt es zurzeit keine wirklich Alternative zur Alternative. Es wird Zeit, dass in den anderen Parteien ein Umdenken stattfindet. In Richtung: „Hört auf zu funkeln, hört besser zu!“ Eine AFD kann nur im Kontext einer politischen, gesellschaftlichen Gesamtsituation verstanden werden. Die AFD ist kein Phänomen, das außerhalb unser aller Leben betrachtet und verstanden werden kann und darf.

Und falls sich gerade jemand fragt, was meine Gedanken mit meiner Seite INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN zu tun haben:

Das, was in unserem Land gerade (und seit Langem) passiert, ist für mich auch ein klarer Auftrag in Richtung Schule. Ich habe es gefühlt 1000 x gesagt: Viele unserer Schulen sind im Kern zutiefst antidemokratisch ausgerichtet. Hinzu kommt, dass unzählige junge Menschen in der Schule zur Ohnmacht, zur Kleinheit und zum Gehorsam erzogen werden.

Wir brauchen kein rückwärtsgewandtes, romantisches „Früher-war-alles-besser-Gerede“. Wir brauchen Schulen, an denen Menschen Selbstwirksamkeit, Eigenverantwortung, Gleichwürdigkeit, Empathie, Wohlwollen, Stärkung, Ermutigung, Respekt, Inspiration und Demokratie erfahren.

Und bitte: Das geht nicht über Belehrungen oder angelesenes Wissen.

Das geht nur über echte, spürbare Erfahrungen.

Und wo fangen wir an?

Bei uns."

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

 

 

OHA, da gibt es wohl in Zukunft weitere Lieblingslehrer...          05.06.2019

Ein Schulleiter hat mich sehr berührt und mit seinen lebenspraktischen Gedanken angeregt. Manchmal bin ich müde und frustriert, wenn ich täglich die vielen Geschichten der Kinder und Familien höre, die bei uns Hilfe suchen. Mut machen mir Menschen, die in und für Schule neu denken.

 

 

Lernquellen                                                                                     05.06.2019

"Jeder zweite Schüler nutzt Youtube zum Lernen", stellt das Solinger Tageblatt heute fest. "Die Schulverantwortlichen müssten den Schülern beibringen, wie sie nutzbringend, aber auch kritisch mit Informationen daraus umgingen." 

Da folge ich lieber George Carlin, der schon vor geraumer Zeit konstatierte:

"Don´t just teach your children to read, teach them to question what they read. Teach them to question everything." Denn aus meiner Sicht wird es immer dringender, zu überprüfen, was "die wirklichen Fragen" sind und welche Prioritäten gesetzt werden. 

Auf Youtube konnte ich schon sehr viele Anregungen und interessante Ansätze finden - Lernen nicht bloß für Schülerinnen und Schüler. 

 

Mein Lieblingslehrer schreibt (auf Facebook)                             20.05.2019  

"Wer verstehen möchte, warum es etlichen Kindern und Jugendlichen an unseren Schulen richtig mies geht, möge sich den aktuellen Umgang vieler etablierter Politiker mit jungen Menschen und deren Anliegen anschauen. Der Punkt ist: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse, Ängste, Themen und Kritikpunkte junger Menschen nicht wirklich ernst genommen werden. Gleichzeitig - und das ist fast lustig - faseln die "Alten" vom fehlenden Respekt. Und während wir in eine tiefe Demokratie-Krise taumeln, wird der Ruf nach antidemokratischen Lösungen lauter: "Wir müssen uns die Meinungsfreiheit doch noch einmal genauer anschauen. So geht das ja nicht..."

 

Seit Jahren bekommen wir an unseren (vielerorts anti-demokratischen) Schulen die Quittung dafür, dass wir die Integrität junger Menschen verletzen, belächeln, ignorieren. Immer mehr Schüler werden auffällig und ungehorsam, weil sie sich nicht gesehen fühlen und mit dem Rücken zur Wand stehen. Und was machen die Erwachsenen? Sie beklagen sich, anstatt darüber nachzudenken, welche Botschaften die "unmöglichen Schüler" mitzuteilen versuchen.

 

Und jetzt ist die Politik dran. Sie bekommt die Quittung. Ich korrigiere: Sie bekommt einen ganzen Quittungsblock. Im Grunde genommen bekommt sie eine riesige Chance. Die Chance, einen Wendepunkt herbeizuführen, indem sie sich mit einer kompletten Generation aussöhnt. JETZT müssten führende Politiker sagen: "Wir danken euch dafür, dass ihr so klar für eure Standpunkte einsteht. Wir haben verstanden!" Stattdessen wird darüber nachgedacht, dass Meinungsfreiheit wohl doch nicht immer so toll ist und Menschen mit blauen Haaren per Definition nicht ernst genommen werden können.

 

Ich nehme die Farbe blau mittlerweile sehr ernst. Ich wohne in Sachsen und das, was hier passiert, ist ein Alptraum."

Andreas Reinke - Inspiration für Eltern und Pädagogen 

 

 

Schulbesuche und Kooperation mit Lehrkräften                           15.05.2019

Schön und befreiend erlebe ich es, wenn Gespräche in Schulen auf Augenhöhe stattfinden, wenn Kinder und Jugendliche mit einer Teilleistungsschwäche in ihrer Ganzheit, mit allen Stärken und dem noch brachliegenden Potential - neben der Schwäche!- erkannt werden. Heute habe ich eine Lehrerin an einem Gymnasium kennengelernt, die sehr engagiert, warmherzig und systemisch vorgeht. So, wie es immer sein könnte und dürfte... und die sich selbst und ihre Vorgehensweise als "normal" ansieht. Es bisschen schade, dass eine solch vorbildliche Frau keine Ahnung davon hat, wie besonders sie ist und welchen Unterschied sie im Leben dieses einen Kindes bewirkt. Sowie sicher auch im Leben der anderen Menschen, mit begegnet.

Nun ja, die Mutter, die ich begleiten durfte, und ich haben mehrfach betont, wie glücklich wir darüber sind, diesen Schüler so gut wahrgenommen zu wissen... 

 

 

Prioritäten setzen...                                                                        10.05.2019

Die Hebo-Schule bzw. der Schulleiter und seine Kolleg*innen nehmen eine Haltung zum Thema Fridays for Future ein, die ich teile. Auch ich bin dankbar, mit Schüler*innen arbeiten zu dürfen, die sensibel und wach genug sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen. 

Einige junge Menschen machen mir wirklich Mut und Hoffnung... Respekt und Dank für eure Zeit und Energie!

 

 

Der Nachteilsausgleich                                                                   01.05.2019

Eine neue Chance zur Kooperation!

Bisher gestaltete sich die Umsetzung des Nachteilsausgleichs oft zähflüssig (Gespräch mit Klassenleitung, dann Englischlehrerin, später weiter Fachkräfte... und bei einem Lehrkraftwechsel drehte sich das Roulette wieder von vorn!).

 

Nun gründeten Betina Henkel und ihr Mann den BuchstabenSalat (Arbeitskreis LRS Solingen). Ein erstes Treffen für Interessierte fand statt. Gemeinsame Anliegen: Informationen fließen zu lassen, Unterstützung für die belasteten Kinder, Jugendlichen, Familien und Schulen anzubieten. Die Lehrkräfte, mit denen ich schon Hand in Hand arbeite, können hier also auf eine weitere Ressource zurückgreifen.

 

Diese neue Gruppe kann die Öffentlichkeit weiter für die Herausforderungen einer LRS sensibilisieren.

Denn bisher erlebte ich zwar viele Lehrerinnen mit Herz und Verstand, die sich maximal für ihre Schützlinge einsetzten. Doch diejenigen, die "in ihrer Laufbahn noch kein Kind mit einer LRS erlebt haben" oder vertraten:"Mit ein bisschen Üben am Nachmittag ist die LRS bald Vergangenheit", bereiteten mir mehr als eine schlaflose Nacht...

Vielen Dank, liebe Frau Henkel, für Ihren Mut und Ihre Tatkraft!

 

 

Lernpartnerschaft                                                                           03.04.2019

Ganz aufgeregt und beflügelt bin ich, weil ich mit meinem Lieblingskollegen einen lebendigen Abend mit einer Elterngruppe sowie der Klassenleitung an einer Gesamtschule moderieren und erleben konnte.

 

Mittelfristig ist es geplant, der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften einen neuen Atem einzuhauchen. Denn da liegen Schätze verborgen, welche zu einer Entlastung im Schulalltag verhelfen können. 

 

Besonders freue ich mich darüber, dass der Schulleiter die Schnittmenge unserer beider Arbeit erkennt und und wertschätzt. Auch ihm geht es um ein Miteinander aller Beteiligten zum Wohle der Schüler*innen. Für mich ist dies ein Akt der Nachhaltigkeit und des Klimawandels! Es öffnen sich Möglichkeiten, durch die das (Schul-)Leben so viel befruchtender und konstruktiver sein kann... denn bekanntlich ist die Summe mehr als ihre Teile. 

             

                                                                                                        April 2019 

Andreas Reinke – Inspiration für Eltern und Pädagogen - gefunden auf FaceBook                                                                                                     

"Wenn wir als Lehrer die Verantwortung für die Qualität des Miteinanders übernehmen und die Botschaften unserer Schüler ernst nehmen wollen, müssen wir zunächst einmal gar nicht so viel tun. Und genau das ist für viele von uns eine völlig neue Herausforderung, weil wir in einen anderen, möglicherweise sehr ungewohnten, mitunter sogar beängstigenden Modus gehen: Wir geben Definitionsmacht und Kontrolle ab und öffnen uns für die Signale, die unsere Schüler aussenden. Das wiederum bedeutet nicht, sich der Launen und Wünsche seiner Schüler zu unterwerfen. Gleichwürdigkeit heißt nicht: Ich mache alles für dich. Gleichwürdigkeit heißt: Deine Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle sind wichtig UND meine Grenzen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle sind wichtig.

 

UND! Nicht ODER…

 

Wir öffnen uns nicht, indem unser Kopf krampfhaft nach Lösungen, Wegen oder Antworten sucht. Wir öffnen uns nicht, indem wir uns verteidigen und Gegenargumente ins Feld führen. Wir öffnen uns nicht, indem wir nur auf das konkret Gesagte oder das Verhalten achten und gedanklich pendeln zwischen "richtig" und "falsch".

 

Wir öffnen uns, indem wir uns als Menschen auf Menschen einstimmen. Wir öffnen uns, indem wir erspüren, auf welchem Kanal mein Gegenüber sendet. Wir öffnen uns, indem wir uns innerlich einstellen. Das ist ein bisschen so wie damals, als wir am alten Fernseher den Knopf drehten, um ein klares Bild zu bekommen.

 

Wenn wir Lehrer spüren, dass die Beziehung zwischen uns und unseren Schülern eher ein Gegeneinander als ein Miteinander ist, sollten wir auf "Pause" drücken und in Beziehung gehen. Dann brauchen wir sozusagen „Kontaktspray“…

"Leute, Pause! Ich merke, dass hier irgendetwas zwischen uns nicht stimmt. Jetzt brauche ich eure Hilfe. Sagt mir bitte, was ich anders machen kann."

 

Und ein weiterer Beitrag:

"Der oft zitierte und von vielen Lehrern und Schulleitern eingeforderte Schulfrieden ist bei genauerer Betrachtung eine Art Rechtfertigungslehre für Gehorsam, Ruhe und Gleichschritt. Wenn es Lehrern „gelingt“, Schüler dazu zu verpflichten, die zu sein, die sie sein sollen, kann der Schein des Sichtbaren die Sinne so sehr trüben, dass niemand bemerkt, wenn der Druck in den Menschen und auf dem gesamten Schulkessel langsam und stetig steigt. Schüler, die pünktlich zum Unterricht erscheinen, brav mitmachen, sich ein- bzw. unterordnen und keinen Ärger machen, sind der Beweis dafür, dass Lehrer und Schulleiter kompetent sind. Und da Lehrer und Schulleiter kompetent wirken wollen (und eine panische Angst davor haben, als inkompetent entlarvt zu werden), setzen sie nahezu alles daran, jedes Abweichen von irgendwelchen Normen zu unterbinden.

 

Die Pointe ist nun aber, dass sich viele kleinere heruntergeschluckte Neins im Laufe der Zeit zu einem großen NEIN vereinen können. Das „große NEIN“ kann sich auf verschiedenen Ebenen äußern. Manche Schüler sagen NEIN zu sich selbst (diese Menschen sind zwar gefährdet, gefährden aber weniger den Schulfrieden), andere sagen NEIN zu Lehrern oder zur Schule insgesamt. Ihr NEIN ist das Ergebnis einer Aneinanderreihung von vielen „kleinen“ Nadelstichen auf der existentiellen Ebene des Selbstwertgefühls. Spätestens jetzt müssten Erwachsene auf sie zukommen und sie auf der existentiellen Ebene sehen und ansprechen.

 

Viel wird gerade wieder diskutiert über die steigende Anzahl derer, die trotz Schulanwesenheitspflicht von der Schule fernbleiben. Und dann wird darüber gefachsimpelt, was man denn mit „Schulschwänzern“ und dazugehörigen Eltern machen sollte, damit sie ihrer Pflicht endlich wieder nachkommen. Manche Eltern berichten mir davon, dass sie von ausgebildeten Psychologen den Ratschlag erhalten, zu Hause hart durchzugreifen, damit ihre Kinder endlich lernen, im Leben zurechtzukommen.

 

Die Art und Weise, wie mit Menschen umgegangen wird, die NEIN zur Schule sagen, ist nicht nur peinlich. Hier wird deutlich, dass wir es im Schulsystem mit einer tiefen Verantwortungskrise zu tun haben. Wenn die Leute nicht mehr in meinen Laden kommen wollen, muss ich mich doch bitte fragen, was in meinem Laden los ist, anstatt die Leute dafür falsch zu machen, dass sie nicht mehr in meinen Laden kommen. Was ist denn das? Man stelle sich vor, dass man Menschen, die sich von der Deutschen Bahn oder von OBI abwenden, zur Therapie schickt, damit sie ihr Bahn- oder OBI-Problem in den Griff bekommen. Und auf dem Behandlungsplan stünde dann die Diagnose "Bahnabstinenz" oder "OBIphobie"..."