"Wir haben bloß gespielt!" oder "Wieso hast du gebastelt, Barbie-Kleider genäht? Du sollst Mathe lernen, dafür ist deine Stunde da!" - diese oder ähnliche Sätze lassen sich von Zeit zu Zeit hier vernehmen. 

 

Dann haben wir unsere Aufgabe noch nicht gut gemacht, nicht ausreichend verdeutlicht, wodurch sich unsere Lerntherapie auszeichnet. 

 

Und wieso werden da nicht "einfach" Arbeitsblätter ausgefüllt? (Ganz keck und kurz: Wie gut hat das mit den Arbeitsblättern bisher funktioniert?)

 

Die nicht ganz so flotte Antwort: Lernen bedeutet mehr als "den Trichter auf den Kopf setzen und Wissen reinrieseln lassen". Verstehen (Ansammeln von Wissen) und begreifen (die Anwendung dessen, was verinnerlicht werden konnte) haben viel mit Bewegung zu tun - innerer sowie äußerer. Motivation beinhaltet Antrieb, Lernen zeigt sich als sehr individueller, eigeninitiativer Prozess, der komplex und vielschichtig abläuft - doch auch störungsanfällig sein kann. Unerlässlich ist es, diese Störungen systemisch zu betrachten (so ist das Lernen in Zeiten von Corona sicher ein ganz anderes als in den Zeiten zuvor - die Abweichungen können in beide Richtungen gehen). 

 

Bereitschaft, Zeit sowie ein geschützter Raum sind unabdingbare Voraussetzungen für gelingende Lernprozesse jeglicher Art. Denn "das Gras wächst nicht schneller, wenn ich daran ziehe". 

 

Beispiele übergeordneter Ziele der Lerntherapie sind etwa

  • Beziehungsaufbau
  • Benennen und Entwickeln bewusster Ziele
  • Erkennen unbewusster Ziele
  • Enthüllen blockierender Glaubenssätze
  • Entwickeln von Selbstfürsorge
  • Verbessern von Selbstwirksamkeit
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Aufmerksamkeitstraining
  • Steigern der Anstrengungsbereitschaft
  • Regulation der Eigensteuerung 
  • Übernahme von Eigenverantwortung 
  • Selbstreflexion, ein BeobachterInnen-Ich entwickeln, 
  • Dialogfähigkeit
  • Erkennen von Wahlmöglichkeiten
  • Ausbau vorhandener Fähigkeiten/Stärken und flexibler Handlungskompetenz 
  • Stärkung der Autonomie
  • Aufbau einer positiven Fehlerkultur
  • Gegenseitiger Respekt (unterschiedliche Wahrheiten dürfen nebeneinander stehen)
  • bewusste Wortwahl
  • Entlastung von Kind, Familie, Lehrkräften
  • und nicht zuletzt Symptomarbeit (Arbeit am Lesen, Schreiben, Rechnen).

Hatte ich schon erwähnt, dass sich das Training oben genannter Ziele nicht ausschließlich auf Schülerinnen und Schüler bezieht? 

 

... und was die oben genannten Ziele mit dem Nähen von Barbiekleidern zu tun haben, erschließt sich vermutlich nun von selbst. 

 

Dieses kleine Kunstwerk, ein winziger Rucksack mit Elfenproviant, brachte eine Schülerin mit. Der Haltegurt besteht aus einem Schnittlauchfaden. 

 

 

Wie schön ist es, wenn nach anfänglichem Zögern, (Selbst-) Zweifeln und Ängsten das Vertrauen wächst! Dann eröffnen sich neue Möglichkeiten, die Offenheit für neue Erfahrungen wächst. Nicht bloß der Kopf darf mitkommen, auch das Herz und die Seele wollen gehört und gesehen werden. 

 

 

Dafür braucht es Raum und Zeit, Geduld und Achtsamkeit. 

Sind wir Großen schon in der Lage und im Bewusstsein, diese vorzuleben?